Sie verlor 38 Jahre ihres Lebens

Bei all dem, was in Deutschland und Europa passiert, denke ich oft: „Ich möchte hier weg. Die Flucht ergreifen. Einen Ort suchen, an dem wir als Familie glücklich sind.“

Doch dann erinnere ich mich an die bewegende Geschichte von Marie Durand. Mein Dad las sie mir auf unserer USA-Reise vor. Das Zeugnis berührte mich zutiefst. Ich musste weinen.

Marie wuchs in einer christlich-reformierten Familie auf. Zu der Zeit wurden Reformierte in Frankreich verfolgt. Besonders auf ihren Bruder Pierre Durand hatten es die Behörden abgesehen. Er war ein mutiger Pastor, der nicht aufhörte, das Evangelium zu predigen. Maries Eltern waren bereits beide verhaftet worden. Als sehr junge Frau traf es auch Marie und ihren Ehemann. Sie sahen sich nie wieder.

Marie kam in ein Frauengefängnis in einem düsteren, feuchten Turm. Hier wurde sie die „Seelsorgerin“ der etwa 28 Mitgefangenen. Sie bestärkte die Frauen, an ihrem Glauben festzuhalten. Nach 38 Jahren Haft wurde Marie Durand am 11. April 1768 im Alter von 56 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und kehrte zurück in ihren Heimatort. Nach ihrer Entlassung war sie „zwar körperlich gebrochen, geistig aber so stark wie immer“, schrieb ein Biograph. Sie lebte noch weitere acht Jahre in Freiheit, bevor sie im Alter von 65 Jahren verstarb. 

Da kann man doch einfach nur heulen! 38 Jahre in einem dunklen Turm eingesperrt! Was müssen das für Zustände gewesen sein. Nur die Vorstellung daran könnte fast Panik in mir auslösen. Aber Marie blieb standhaft. Sie ließ sich geistlich nicht brechen, sondern von Gott gebrauchen. Was für ein Glaubensvorbild!

Zurück zum Anfang. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mir die Frage stelle: „Wo wäre ich am glücklichsten?“ Dabei ist das gar nicht das, was zählt! Stattdessen sollte die Frage lauten: „Wo kann ich Gott am besten dienen? Wo möchte ER mich gebrauchen?“ Marie war den größten Teil ihres Lebens in einem dunklen Turm eingesperrt. DAS war der Ort, an dem Gott sie gebrauchte. Sie hielt an ihrem Glauben fest und wurde ein Segen für viele Frauen, die ebenfalls in dem Gefängnis waren.

Gottes Plan sieht mit jedem Seiner Kinder unterschiedlich aus. Nicht jeden schickt Er in einen düsteren Gefängnisturm. Aber was ich sagen möchte ist: Wo liegt unser Fokus? Wollen wir auf dieser Erde unser „bestes Leben führen“ und uns selbst verwirklichen oder ist es unser größtes Ziel, Gott zu verherrlichen? 

Love,
Mirjana Joy